Dieses Bild zeigt die Teilnehmer des Podiums zum Thema "Smart Living" auf den "Tagen der digitalen Technologien"

Das Podium zum Thema „Smart Living“ auf den „Tagen der digitalen Technologien“ (v.l.n.r.): Dr. Hilko Hoffmann von der Deutschen Forschungszentrum Künstliche Intelligenz GmbH, Bernd Wagner vom Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel, Maik Landwehr von der Stadtwerke Rüsselsheim GmbH, Prof. Dr. Thomas Heimer von der Geschäftsstelle Smart Living, Thomas Feld von der Strategion GmbH, Jan Timmermann von der Vonovia SE und Wolfgang Niedziella von der VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH.

© Geschäftsstelle Smart Living

Das 50-minütige Fachforum am zweiten Tag der „Tage der digitalen Technologien“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie war zweigeteilt: Zunächst berichteten die sechs Panelisten aus ihren jeweiligen Projekten, dann diskutierten sie Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre im Kontext von Smart Home und Smart Living, auch unter Einbeziehung des Plenums. Kernaussagen der Podiumsteilnehmer im Überblick:

  • Wolfgang Niedziella, VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH, Wirtschaftsinitiative Smart Living: „Keine Paranoia aus Datenschutzgründen. Sonst entwickeln wir uns nicht weiter. Wir haben eine Menge Instrumente, um die Daten zu schützen. Zum einen die Datenschutzgrundverordnung; für diesen Ansatz werden wir mittlerweile schon fast ‚around the world‘ gelobt. Wir haben das IT-Sicherheitsgesetz, was auch bereits einen sehr starken Durchgriff hat. Und wir haben jetzt den neuen Cyber-Security-Act in Europa, der nun ausgestattet wird von ENISA in Richtung Stressindikationen und Zertifizierung. Aber aus meiner persönlichen Sicht werden wir um eine internationale Lösung nicht herumkommen, die europäischen und nationalen können nur flankierend sein. Wer rein nationale Lösungen durchboxen will, der wird auf diesem Markt schnell abgehängt werden.“
  • Thomas Feld, Strategion GmbH, Projekt "Guided AL": „Wir brauchen eine Entflechtung hin zu drei Parteien. Zum einen gibt es das Unternehmen, das die Daten benötigt. Und zum anderen den Endkunden, der die Daten liefern soll. Und dazwischen braucht es die Trusted Party, die über eine Datenplattform nur genau das liefert, was tatsächlich benötigt wird. Hinzu kommt: Datensparsamkeit wird künftig zu einem Faktor im Markt. Moderne Unternehmen schauen immer auf die Customer-Journey, wollen keinen Kunden enttäuschen, auch denen ein Angebot machen können, die die Datenweitergabe verweigern. Das System ‚Pistole auf die Brust‘ wird die Gesellschaft auf Dauer nicht akzeptieren. Das Umdenken findet in der ‚digital generation‘ bereits statt.“
  • Maik Landwehr, Stadtwerke Rüsselsheim GmbH, Projekt "QuarZ": „Man muss den Bereitsteller der Daten einbinden und den Begriff ‚Datenschutz‘ auch einmal als Chance sehen. Wenn man es offen angeht, Datenschutz transparent schafft und dabei auch Grenzen aufzeigt, wie wir in unserem Projekt, erreicht man eine hohe Akzeptanz der Bewohner. Wenn man erklärt, weshalb welche Daten zur Verfügung gestellt werden müssen, damit gewisse Sachen funktionieren, dann stehen die Bewohner der Sache erst einmal vollkommen neutral gegenüber und sehen nicht den Aufbau der großen Datenkrake.“
  • Jan Timmermann, Vonovia SE, Projekt „SUITE“: „Wir haben uns bei unserem Smart-Meter-Projekt entscheiden, die Daten nicht vor Ort zu erheben, über das Internet zu transportieren und dann irgendwo in der Cloud auszuwerfen, sondern vor Ort zu erheben, vor Ort zu verarbeiten und nur das Ergebnis hinterher rauszugeben. Bei uns erkennt der Nutzer den Sinn des Datensammelns in Schutz-, Assistenz- und Komfortfunktionen.“
  • Dr. Hilko Hoffmann, Deutsches Forschungszentrum Künstliche Intelligenz GmbH, Projekt "SENSE": „Maschinelles Lernen kann Datenhaufen untersuchen, Daten aggregieren, Daten reduzieren und Daten zu höherwertigen Aussagen zusammenzuziehen. Die Frage ist auch, wo das passiert. Das muss nicht nur lokal sein, das kann auch in ein Cloud sein. Denn im Moment wird für maschinelles Lernen noch viel Rechenleistung benötigt. Aber das wird sich ändern. Künftig werden die Daten auch lokal im Gebäude, im Edge-Computing-Bereich, gehalten werden können.“
  • Bernd Wagner, Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel, Projekt "ENTOURAGE": „Ein Nutzer, der entscheidet, ob er sich in ein Ökosystem einklinkt, muss zwei Fragen beantworten: Welchen Nutzen habe ich, wenn ich mich dort anschließe? Für die Unternehmen kann das die Möglichkeit sein, sich gegen größere Player behaupten zu können, und für die Nutzer die Möglichkeit, einen Dienst kostenlos zu nutzen. Auf der anderen Seite steht die Frage: Werde ich dabei über den Tisch gezogen und habe ich noch die Kontrolle über meine Daten? Das Thema ‚Data Ownership‘ ist eines, wo der Gesetzgeber regulatorisch nachlegen sollte.“